LSBTIQ*-Lehrkräfte in Deutschland

2017

Diskriminierungserfahrungen und Umgang mit der eigenen sexuellen und geschlechtlichen Identität im Schulalltag

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Diskriminierungserfahrungen im Arbeitsumfeld Schule

  • Knapp ein Drittel aller teilnehmenden Lehrkräfte hat in den 24 Monaten vor der Befragung Diskriminierung aufgrund der LSBTIQ*-Identität erfahren. Dabei werden insbesondere soziale Herabwürdigungen, aber auch materielle Benachteiligungen erlebt.
  • Der Anteil an Lehrkräften mit Diskriminierungserfahrungen sinkt signifikant, wenn sie von ihrem Arbeitgeber über den Diskriminierungsschutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes (AGG) aufgeklärt wurden. Der Anteil sinkt ebenfalls, wenn eine schulische Beschwerdestelle für Beschäftigte existiert, wenn die Verhinderung von Gewalt, Mobbing oder Diskriminierung als Ziel in der Schulordnung oder dem Leitbild der Schule erwähnt wird und wenn sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den offiziellen Lehrplänen thematisiert wird.
  • Als Verursacher*innen werden besonders häufig andere Lehrkräfte sowie Schüler*innen benannt.
  • Von den Lehrkräften, die angeben, dass sie Diskriminierung aufgrund ihrer LSBTIQ*-Identität erlebt haben, berichten 9 von 10 Personen, davon, dass dies mehrmals geschehen ist.

Umgang von LSBTIQ*-Lehrkräften mit ihrer eigenen sexuellen und geschlechtlichen Identität im Schulalltag

  • Die Befragten gehen im Schulalltag seltener offen mit ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität um als im privaten Umfeld; 4 von 10 Lehrkräften gehen am Arbeitsplatz offen mit ihrer LSBTIQ*-Identität um. Am häufigsten wissen andere Lehrkräfte von der LSBTIQ*-Identität der Befragten.
  • Befürchtete Stigmatisierung, Angst vor Respektverlust sowie vor Ausgrenzung und die eigene Unsicherheit sind die häufigsten Gründe, die gegen einen offenen Umgang mit der LSBTIQ*-Identität sprechen.

Thematisierung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt

  • Die Hälfte der befragten Lehrkräfte gibt an, dass in den offiziellen Lehrplänen keine Thematisierung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt erfolgt. Zusätzlich berichten drei Viertel der Befragten, dass es jeder Lehrkraft selbst überlassen ist, ob und wie die Thematik behandelt wird. Dies birgt das Risiko der Nichtthematisierung.
  • Im Falle der Thematisierung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt führt dies dazu, dass Lehrkräfte deutlich häufiger offen mit ihrer Identität umgehen, gleichzeitigt sinkt auch der Anteil an Lehrkräften, die von Diskriminierung aufgrund der LSBTIQ*-Identität berichten.