Erhebung von Antidiskriminierungsdaten in repräsentativen Wiederholungsbefragungen

2018

Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Fragen nach subjektiven Diskriminierungserfahrungen oder anderen Aspekten von Diskriminierung

In den meisten Erhebungen sind diese Fragen bereits enthalten. Das Bild bleibt aber lückenhaft:

  • Entsprechende Fragen werden teilweise nur an bestimmte Personengruppen (z. B. Migrant*nnen) gestellt oder es wird nur nach Diskriminierung aufgrund bestimmter Merkmale (z. B. Alter) oder in einem Lebensbereich gefragt.
  • Fragen zu bestimmten Formen von Diskriminierung, wie (sexueller) Belästigung am Arbeitsplatz sind dagegen kaum oder gar nicht enthalten. Gleiches gilt für Fragen nach Reaktionen auf solche Erfahrungen oder die Kenntnis der Rechtslage.

AGG-relevante Kategorien

Mit Blick auf die AGG-relevanten Kategorien, nach denen die Befragungen ausgewertet werden können, ergibt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Kritisch werden u. a. die folgenden Punkte bewertet:

  • Es fehlt insbesondere an geeigneten Messinstrumenten, um diejenigen Personengruppen zu ermitteln, die von rassistischer Diskriminierung betroffen sind; die Unterscheidung zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund, die bisher in den allermeisten Erhebungen vorgenommen wird, ist dafür nicht geeignet.
  • Fragen nach der sexuellen Orientierung werden nur in wenigen Surveys gestellt und bei der Erfassung des Geschlechts der Befragten werden trans* und intergeschlechtliche Menschen in aller Regel nicht berücksichtigt. Die Problemlagen von LSBTI*Personen bleiben damit meist unsichtbar.

Berücksichtigung der zivilgesellschaftlich formulierten Grundsätze

Im Hinblick auf die Berücksichtigung der zivilgesellschaftlich formulierten Grundsätze zur Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten lässt sich festhalten:

  • Die Grundsätze von Freiwilligkeit und Anonymität sind in den betreffenden Wiederholungsbefragungen vollumfänglich gewährleistet – mit Ausnahme der Auskunftspflicht im Mikrozensus.
  • Der Grundsatz der Selbstidentifikation ist in einigen Befragungen nicht vollständig gewährleistet. Insbesondere die Erfassung des Merkmals Geschlecht erfolgt meist durch Fremdzuschreibung durch die Interviewer*innen.
  • Die Forderungen nach Partizipation in allen Phasen des Forschungsprozesses und das informierte Einverständnis, das mit einem verstärkten Aufklärungsbedarf einhergeht, sind im Rahmen von bevölkerungsweiten Mehrthemenbefragungen nur bedingt umsetzbar.
  • Die Berücksichtigung von multiplen Identitäten, Mehrfachdiskriminierung und Intersektionalität ist teilweise möglich.

Insgesamt kommen die Autorinnen zu dem Ergebnis, dass eine Diskriminierungsberichterstattung, die dem Schutzanspruch des AGG entspricht, auf dieser Basis derzeit nicht möglich ist.